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Ansprache zur Gedenkfeier am  Volkstrauertag 2015 vor dem Mahnmal für die Gefallenen in Anderten, Am Bache am 15.11.2015 Referent: Bezirksbürgermeister Klaus Dickneite
Verehrte Versammlung, im Namen des Bezirksrats begrüße ich Sie alle herzlich und danke Ihnen, daß Sie an dieser Gedenkstunde teilnehmen. Sie zeigen damit, dass der Volkstrauertag nicht eine veraltete lästige Tradition ist, sondern mindestens für Sie und die von Ihnen vertretenen Organisationen ein aktuelles Ereignis ist, das es auch nach wie vor zu pflegen gilt. Das beinhaltet, dass es sowohl um das Gedenken an frühere Ereignisse und ihre Folgen geht, als auch ermahnt, gerade auch in der heutigen Zeit die aktuellen Ereignisse in den Blick zu nehmen. Wir sind hier zusammengekommen, um wieder derer zu gedenken, die durch Kriege, Terrorismus oder andere Gewalt ihr Leben verloren haben. Gleichzeitig wollen wir aber auch an die Angehörigen denken, die in Ehe, Partnerschaft, Freundschaft und Liebe den Verstorbenen und Gefallenen verbunden waren und mit dem Verlust zu kämpfen hatten, damit leben lernen mussten und vielleicht sogar bis heute und in Zukunft damit leben müssen. Ich sagte schon, es ist nicht nur eine Gedenkstunde der Vergangenheit, sondern gerade in der aktuellen Zeit sind wir aufgefordert, uns zu besinnen. Lassen Sie uns derer gedenken, die in neuerer Zeit und in der Gegenwart ihr Leben lassen durch Auseinandersetzungen, die dann zur Anwendung von Gewalt, Kriegen, Terrorismus oder Morden führen. Wie aktuell das ist, zeigen die verbrecherischen und menschenverachtenden Attentate in Frankreich. Unsere Anteilnahme gilt den Menschen, die leiden, misshandelt oder verfolgt werden durch Fanatiker oder andere gewaltbereite Menschen, die immer nichtigere Anlässe für Gewalt und Unrecht nutzen. Selbst friedliche Demonstrationen dienen einigen dazu, ihre Aggression und Gewaltbereitschaft auszuleben ohne Rücksicht auf die, die sich für Frieden einsetzen. Grundlage und Antrieb für solche Gewalt als Feind des Frie-dens kommt aber nicht von ungefähr und findet sowohl in der großen Politik, als auch in unserem eigenen Umfeld, also auch in unserem Gemeinwesen hier in unserem Stadtbezirk statt. Wie aktuell dieses Thema ist, zeigen die augenblicklichen Aus-einandersetzungen im Rahmen der Flüchtlingsversorgung in unserem Lande. Da trauen sich immer mehr Menschen, ihre rassistische und antisemitische Einstellung offen zu propagieren und erstaunlicherweise hat unser Rechtsstaat scheinbar keine Möglichkeiten, dem Einhalt zu bieten. Umso erfreulicher und begrüßenswerter ist es, daß es doch die wohl überwiegende Zahl von Menschen sind, die sich dem entgegenstellen und zeigen, daß Menschlichkeit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft das Gebot der Stunde ist. Deshalb dient ein solcher Tag und eine solche Stunde auch, so meine ich, der Mahnung daran, alles dafür zu tun, um Krieg, aber auch Kleinkrieg, Intrigen, Gewalt zu verhindern und sich für den Frieden einzusetzen. Ja, wir können zu diesem Frieden beitragen. Es ist an uns, gerade auch für nachbarschaftlichen und sozialen Frieden zu sorgen. Dieses ist eine wichtige Voraussetzung, den großen Frieden zu erhalten. Er kommt nicht von selbst. Er muss von uns jeden Tag neu gestaltet werden. Frieden fängt nämlich schon bei uns an, in unserer Gemeinde, unserer Nachbarschaft, indem wir Respekt, Toleranz, Solidarität und Achtsamkeit im Umgang miteinander praktizieren und immer wieder neu üben, wenn es schwer fällt, die aktuellen Belastungen zu tragen. Gerade jetzt gibt es zahlreiche Gelegenheiten dazu. Unser Umgang z. B. mit den Flüchtlingen wird zeigen, ob wir ein soziales, menschliches, hilfsbereites, tolerantes und integrationsfähiges Gemeinwesen sind oder nicht. Das bedeutet, Verständnis zu haben für andersartige äußere Erscheinung z. B. durch Hautfarbe, angeborene oder erworbene Behinderungen, Unfall oder selbst vorgenommene Veränderungen oder äußere Erscheinungsform (wie z.B. ungewohnte Kleidung, Tatoos oder Pircing). Erlauben Sie mir, Albert Einstein zu zitieren, der schrieb: „Toleranz ist das menschenfreundliche Verständnis für Eigenschaften, Auffassungen und Handlungen anderer Individuen, die der eigenen Gewohnheit, der eigenen Überzeugung und dem eigenen Geschmack fremd sind. Toleranz heißt also nicht Gleichgültigkeit gegen das Handeln und Fühlen des oder der anderen; es muss auch Verständnis und Einfühlung dabei sein.“ Soweit das Zitat. Es gilt also, Verantwortungsgefühl nicht nur für sich, die eigene Familie oder Freunde zu haben, sondern Verantwortung auch für das Quartier in dem ich Lebe stärkt den Frieden untereinander. Nur wenn wir das Gemeinwesen auch als unser Gemeinwesen, unsere Heimat, unseren unmittelbaren Lebensraum verstehen und annehmen, für den wir mitverantwortlich sind und es uns wichtig ist, ihn mit zu gestalten, können wir Frieden schaffen und erhalten. Dazu gehört also, die Unterschiedlichkeiten der Menschen in Form von Alter, Jugend, Gebrechlichkeit, Hautfarbe, Sprache, kulturellem Hintergrund, weltlicher oder religiöser Weltanschauung und Lebenseinstellung zu achten, anzuerkennen und mit diesen Unterschiedlichkeiten zu lernen, friedlich zusammen zu leben. Bewähren wir uns aktuell in besonderer Weise z.B. im Umgang mit den Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund in unserm Stadtbezirk. Ich freue mich in diesem Zusammenhang darüber, dass sich in beiden Stadtteilen große Freundeskreise gebildet haben, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Menschen, die bei uns Zuflucht und Heimat nehmen wollen, in Würde zu empfangen. Jeder ehrenamtliche Helfer oder jeder Helferin trägt mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten dazu bei, dass eine gute Integration und Inklusion gelingen kann. Möge es gleichzeitig Ansporn für Andere sein, darüber nachzudenken, mit welchen Fähigkei-ten und Fertigkeiten sie diese Arbeit unterstützen können. Dazu kann es u. U. auch schon reichen, den Flüchtlingen, aber auch anderen Menschen in unserem Gemeinwesen Zeit zu schenken. Viele brauchen gerade Zeit als Geschenk, weil Zeit inzwischen eine teure Mangelware im Umgang miteinander geworden ist. Ich möchte ihnen und ihren Familien gerade auch an dieser Stelle und zu diesem Anlass persönlich, im Namen des Bezirksrats aber ich denke auch im Namen der Bürgerinnen und Bürgern unseres Stadtbezirks ganz herzlich für Ihren Einsatz und Ihr Engagement danken. Weder Stigmatisierung mit Vorurteilen von Kriminalität ist das Gebot der Stunde, noch daß wir die, die unserer Hilfe und Unterstützung bedürfen als Belastung oder gar Bedrohung für uns persönlich oder unseren Stadtbezirk betrachten. Vielmehr gilt es, sie als gern aufgenommene Gäste zu begrüßen und ihnen möglichst eine neue Heimat zu schaffen. Lassen Sie uns gemeinsam den sozialen Frieden erhalten und nicht verletzen, damit wir nicht Anlass und Ursache für kleine oder größere, versteckte oder offene Gewalt werden. Denn das gipfelt im Kleinen in Freindschaft, Aggression, Missachtung oder Ignoranz und endet u. U. sogar in Mord, Todschlag und im Großen dann oft auch in Krieg und Terrorismus. Wie wir großen Einfluss darauf haben, in uns Friedfertigkeit zu schaffen soll uns die nachfolgende kleine Geschichte deutlich machen: Eine alte Indianerin saß mit ihrer Enkelin am Lagerfeuer. Die Alte sagte nach einer Weile des Schweigens: „Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere ist liebevoll, sanft und mitfühlend.“ „Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?“ fragte das Mädchen. Bedächtig antwortete die Alte: „Der, den ich füttere.“ Ich wünsche uns allen, daß es uns immer gelingt, den richtigen Wolf in uns zu füttern. Es gilt wachsam zu bleiben, um so den Frieden gerade auch in unserem Stadtbezirk, unserer Heimat weiterhin zu bewahren. Möge der Volkstrauertag so zum Volksfriedenstag werden. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Waldfriedhof Misburg - Gedenktafeln für die Gefallenen des Weltkriegs I
Waldfriedhof Misburg - Ruhestätte für Kriegsopfer des Weltkriegs II 
Bilder: Werner Rambke, Gisbert Selke
Denkmäler und Gedenkstätten im Stadtbezirk
Friedhof Anderten, Ostfeldstraße Ruhestätte für Kriegsopfer des Weltkriegs II
Gedenkstätte für getötete Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf dem Waldfriedhof Misburg